Sonntag, 5. Februar 2012

Offizielle Bekanntmachung: Strategic Art? – Ein Symposium des Studiengangs Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation der UdK Berlin | 24. Feb 2012





Rasender Stillstand aller Orten: Gefühlte Stagnation in der Politik und zunehmende Komplexität in der Wirtschaft stellen neue Herausforderungen an Manager und Politiker, die aufgefordert sind, nach Alternativen zu suchen. An dieser Stelle werden subversive Strategien, die in der Kunst die Interaktion zwischen Werk, Künstler und Publikum ausmachen, für politische und ökonomische Kontexte immer bedeutungsvoller. Dabei geht es weniger darum, die Kunst in die Dienste von wirtschaftlichen und politischen Interessen zu stellen. Vielmehr sollen neue Zugänge und Verbindungen geschaffen werden. Kunst kann so zur innovativen Ressource werden, um gesellschaftliche, wirtschaftliche sowie politische Blockaden aufzubrechen.
Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern wie Johannes M. Hedinger von COM&COM oder Die Reinigungsgesellschaft, die sich nach Eigendefinition als „Labor im Denkraum Kunst, an der Schnittstelle zu anderen gesellschaftlichen Bereichen“ verstehen, werden am 24. Februar 2012 an der UdK Berlin Studierende und Lehrenden diskutieren, was „Strategische Kunst“ sein kann. In Panels und Vorträgen werden die Symposiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer die Potenziale der Kunst als strategische Ressource diskutieren und wesentliche Merkmale und Kennzeichen herausarbeiten. Am 25. Februar 2012 wird thematisch anschließend ein Workshop mit dem Titel „Art by Commission?“, initiiert durch den Studiengang Art in Context der UdK Berlin, stattfinden.

Das Herausbilden von Künstlerunternehmen wie COM&COM oder Ingold Airlines zeigen eine neue Form künstlerischer Auseinandersetzung und Intervention, die sich vor allem durch ihren strategischen Charakter hervortut. Auch im politischen Kontext werden Strategie und Kunst zunehmend als Begriffspaar analysiert, wie die im Jahr 2010 im Deutsch-Historischen Museum gezeigte Ausstellung unter dem Titel „Macht zeigen. Kunst als Herrschaftsstrategie“ deutlich macht.

24. Februar 2012 ab 09:30 Uhr
Symposium „Strategic Art?“
 UdK Berlin,  Raum 110 (Senatssaal)
Hardenbergstraße 33, Berlin-Charlottenburg
Eintritt frei





Yann Toma und sein Unternehmen Kunst

Bildquelle: http://a34.idata.over-blog.com/600x282/0/45/30/14/Capture-d-ecran-2011-08-06-a-12.55.51-copie-1.png

Ein Energieversorger Quest-Lumière betrieb seit 1903 in einem Vorort von Paris ein Kraftwerk und versorgte den westlichen Teil der Stadt mit Strom. Nachdem 1946 die Verstaatlichung zur Electricitè de France (EdF) erfolgt war, wird Anfang der 90er Jahre das Gelände von der EdF aufgegeben. Toma, der jahrelang einen Teilbereich der Produktionsstätte als Atelier genutzt hat, versucht soviel wie möglich von dem Unternehmen zu dokumentieren und zu retten. Im Zuge dessen kauft er 1994 für einen symbolischen Preis de Firmen- und Markenrechte und betreibt fortan als offizieller Rechtsnachfolger Quest-Lumiere als Aktiengesellschaft. [...] DIe Firma produziert nunmehr vor allem "künstlerische Energie", verfügt über ein Firmenarchiv, bespielt diverse Kommunikationskanäle und schaltet Werbekampagnen. [...]Bei Quest-Lumière handelt es sich um ein künstlerisches Unternehmen, das keine Mimesis von (konventionellen) Managementtechniken übt, sondern sich vielmehr als Management-Avantgarde verstehen lässt.

Quelle: http://www.bourouina.com/files/Yann-Toma_Art-Value.pdf

Freitag, 3. Februar 2012

DIE PARTEI von Martin Sonneborn

DIE PARTEI von Martin Sonneborn gilt als Satireprojekt. Wo genau die Trennlinie zwischen Witz und Seriosität verläuft scheint nie ganz klar. Die Strategie geht auf: Ernsthaftigkeit und Satire verschwimmen zu einem Ganzen und stellen dabei gegenwärtige politische Verhältnisse in Frage. Strategic Art im politischen Kontext?

Fest steht, DIE PARTEI schaffte es zur Berlinwahl 2011 auf Listenplatz 13 und konnte Wählerstimmen für sich gewinnen.


Dazzle Camouflage als strategische Kunst???


Ein Beispiel für den Einsatz von "Kunst" für poltisch-strategische Zwecke aus der Vergangenheit. Auch hier lässt sich die Frage aufwerfen, inwieweit die Kunst als strategische Ressource sich in den Dienst für politische und wirtschaftliche Zwecke stellen lässt.





REINIGUNGSGESELLSCHAFT zu Gast auf dem Symposium "Strategic Art?"

Auf die Frage was Strategic Art sei, antworteten Sie:

"Strategic Art ist der Versuch künstlerische Arbeitsweisen in einen außerkünstlerischen Kontext zu stellen"

REINIGUNGSGESELLSCHAFT























Bildquelle: http://www.reinigungsgesellschaft.de/projekte/_2003/japanweb/IMG_8403.jpg

Johannes M. Hedinger (Com&Com) als Gast auf dem Symposium "Strategic Art?"

Bildquelle Wikipedia Com&Com


Auf die Frage, was strategische Kunst sein kann, antwortete er:

"Strategische Kunst eröffnet Potentiale, setzt sich in ein Referenzsystem, und strebt gemäß eigenen oder externen Vorstellungen und Erwartungen nach Erfolg."

"Die Tatsache, dass Strategie im Kontext der Kunst noch immer Abwehrreflexe auslöst und kontrovers diskutiert wird, ist eine faszinierende Einladung, Strategie selber zum Gegenstand der Untersuchung zu machen – sowohl für den Künstler wie auch den Wissenschaftler."

(http://www.com-com.ch/)

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Strategischer Wert?

Welchen Wert hat Kunst? In jedem Fall einen ökonomischen, denn jedes Kunstwerk hat seinen Preis. Hinzu kommt ein kultureller, vielleicht auch ideeller Wert. Auch gegen die Zuschreibung ästhetischer Werte wird kaum einer Einwände haben. Aber der Kunst einen strategischer Wert beimzumessen, verlangt nach Erklärung. 
Das Symposium "Strategic Art?!" am 24. Februar 2012 betrachtet Kunst im Kontext von Wirtschaft und Politik. Zwei gesellschaftliche Bereiche, in denen Strategie ohne Frage eine entscheidene Rolle spielt. Wenn Kunst einen wertvollen Beitrag für Wirtschaft und Politik leisten soll, dann muss sie die strategische Ebene dieser Bereiche tangieren (Liebl, 2009). Will man etwas gegen Stagnation in Wirtschaft und Politik unternehmen und sich hierfür etwas in der Kunst abgucken, so helfen Strategien der Selbstverwirklichung von Künstlern oder Strategien der Vermarktung von Kunst nicht weiter - Experten dieser Strategien sitzen ebenso in Politik und Wirtschaft. Strategisch relevant werden vielmehr Handlungsmuster der Kunst, die darauf abzielen Sichtweisen und Haltungen des Publikums im Sinne der künstlerischen Absicht zu beeinflussen (Bauer, 2005). 

       Marcel Duchamp Readymade "Fountain": porcelain urinal © 2011 MarcelDuchamp.net

Betrachtet werden müssen demnach Arbeitsweisen, Mechanismen und Elemente der (Innovations-)Prozesse der Kunst sowie deren Resultate und Wirkung beim Publikum. Künstlerische (Innovations-)Strategien wie die Reklassifizierung, Umwertung (siehe hierzu z.B. die "Readymades" von M. Duchamp), das Schaffen von alternativen Interpretationsangeboten und Sichtweisen, Übertreibungsstrategien, Zweckentfremdung und Umcodierung müssen in den Blick genommen werden, um auf der Suche nach dem strategischen Wert von Kunst weiterzukommen. Darüber kann auch eine Annäherung an den Begriff "Strategic Art" gelingen.

Quellen:
Bauer, T. W.: Forschung zu Kunst und Wirtschaft neu orientiert: Von Kommerzialisierungsstrategie zu kultureller Innovationsstrategie; in: Brellochs, M.; Schrat, H. (Hg.): Raffinierter Überleben – Strategien in Kunst und Wirtschaft: Produkt und Vision Reader; Berlin 2005; S. 96–118
Liebl, F.: Die Wir AG: Yann Toma und sein Unternehmen Ouest-Lumière; in: Art Value, Vol. 3, #5, 2009; S. 70–73